9. Januar 2011

Ermunterung

Echo des Himmels ! Heiliges Herz ! warum,
  Warum verstummst du unter den Lebenden,
    Schläfts, freies ! von den Götterlosen
      Ewig hinab in die Nacht verwiesen?

Wacht denn, wie vormals, nimmer des Aethers Licht?
  Und blüht die alte Mutter, die Erde nicht?
    Und übt der Geist nicht da und dort, nicht
      Lächelnd die Liebe das Recht noch immer?

Nur du nicht mehr ! doch mahnen die Himmlischen,
  Und stillebildend weht, wie ein kahl Gefild,
    Der Othem der Natur dich an, der  
      Allerheiternde, seelenvolle.

O Hoffnung ! bald, bald singen die Haine nicht
  Des Lebens Lob allein, denn es ist die Zeit,
    Daß aus der Menschen Munde sie, die
      Schönere Seele, sich neuverkündet.

Dann liebender im Bunde mit Sterblichen
  Das Element sich bildet, und dann erst reich,
    Bei frommer Kinder Dank, der Erde
      Brust, die unendliche, sich entfaltet

Und unsre Tage wieder, wie Blumen, sind,
  Wo sie, des Himmels Sonne, sich austeilt
    Im stillen Wechsel sieht und wieder
      Froh in den Frohen das Licht sich findet,

Und er, der sprachlos waltet und unbekannt
  Zukünftiges bereitet, der Gott, der Geist
    Im Menschenwort, am schönen Tage
      Kommenden Jahren, wie einst, sich ausspricht.

                                                        Friedrich Hölderlin

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